Das gespielte Buch

Beim Lesen Spaß haben und trotzdem gefordert werden, geht das überhaupt? Mit Freude viele Bücher in kurzer Zeit zu lesen, ist das Ziel des Projektes „Das gespielte Buch“. 2004 von der Hessischen Leseförderung ins Leben gerufen, wurde es, in Zusammenarbeit mit zahlreichen Bibliotheken und den örtlichen Schulen, schon viele Male erfolgreich realisiert. Das Projekt gliedert sich in vier Teilaktivitäten.

1. Die Bücherkiste

Zu Beginn erhalten die 3. und 4. Klassen der teilnehmenden Grundschulen durch die Bibliotheken eine Bücherkiste mit bis zu acht Buchtiteln. Die Kinder haben drei bis vier Monate Zeit, die Bücher zu lesen, wobei das Pensum von den Kindern selbst bestimmt wird. Viele Schulen berichten, dass das Lesen der Bücher zum Thema Nummer eins in der Klasse wurde und zu angeregten Gesprächen führte.

2. Der Bibliotheksbesuch

Nach der intensiven Lesephase findet ein Besuch in der Bibliothek statt, bei dem die Schüler aufgefordert sind, ein literarisches Quiz mit inhaltlichen Fragen zum Gelesenen zu beantworten. Die Bibliotheken haben zudem die Möglichkeit, die Kinder mit den richtigen Lösungen in einer eigenen Veranstaltung zu ehren. Der ungezwungene Besuch führt die Kinder spielerisch an die Benutzung einer Bibliothek heran.

3. Die Theateraufführung

Den Höhepunkt des Projektes bildet eine Aufführung des Freien Theaterhauses Frankfurt, dessen Ensemble eine Collage mit Motiven und Handlungssträngen aus den von den Kindern gelesenen Büchern zusammenstellt und als Theaterstück auf die Bühne bringt. 2007 wurde das Stück „Die Leseratten“ von Gordon Vajen aufgeführt. Das Ensemble des Theaterhauses Frankfurt spielte eine Geschichte, in der das Lesen im Jahr 2030 verboten ist und Bücher von der „Bücherwehr“ vernichtet werden. Lediglich die geheime Gruppe der „Leseratten“ hält sich versteckt und lernt heimlich Bücher auswendig, um so die Literatur zu retten. In einer spannenden und aktionsreichen Inszenierung erfuhren die Grundschulkinder, welchen Wert das Lesen in einer freien Gesellschaft hat.

4. Das offene Ende

Das Ende des Theaterstücks wird offen gehalten, so dass die Kinder eingeladen sind, sich einen eigenen Schluss auszudenken – ob in Form eines Bildes, als Comic, Geschichte oder Gedicht – und an das Freie Theaterhaus Frankfurt zu schicken. Das Theaterhaus prämiert besonders gelungene Einsendungen mit einer Freikarte für eine Theateraufführung. Alle Teilnehmer erhalten eine Urkunde.

Bisherige Erfolge

Das Projekt „Das gespielte Buch“ wurde von den bisher beteiligten Schülern begeistert aufgenommen. Frank Effenberger von der Konrad-Duden-Bibliothek in Bad Hersfeld berichtet, dass wegen des großen Interesses gleich zwei Aufführungen stattfinden mussten. In vielen Fällen sei auch der Ratschlag zur Gründung einer eigenen Klassenbücherei, mit den Projektbüchern als Grundstock, umgesetzt worden. Frank Effenberger resümiert: „‚Das gespielte Buch’ war in vielen Fällen Initialzündung für eine langfristige Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und der Konrad-Duden-Stadtbibliothek. Durch die gute Zusammenarbeit sind die Wege zwischen öffentlicher Bibliothek und den Lehrerkollegien kürzer geworden. Die Lesefähigkeit der Kinder hat im Laufe des Projekts, nach den Erfahrungsberichten aller Beteiligten, erheblich zugenommen.“